So entsteht ein Blumenteppich

16.06.2025 |

Früh aufstehen müssen an Fronleichnam Anni Kimmig, Maria Hoferer, Mechthilde Mischke und Diana Birk (von links).

(Nicole Rendler, Acher-Rench-Zeitung). Die Blumenteppiche an Fronleichnam haben im Renchtal eine lange Tradition. Bis ins letzte Detail werden sie liebevoll arrangiert und bilden eine sehenswerte Station entlang der Prozession. Noch Stunden danach erscheinen viele Interessierte und bewundern die oft filigrane Arbeit aus bunten Blüten. Längst nicht mehr vor Ort sind da aber die fleißigen Jugendlichen oder Frauen, die jedes Jahr mit viel Geduld ein vergängliches Kunstwerk schaffen. Aktiv im Helferteam der katholischen Frauengemeinschaft Oppenau sind Mechthilde Mischke, Diana Birk, Maria Hoferer und Anni Kimmig. Seit Jahren sind sie gemeinsam im Einsatz, um aus einem religiösen Leitgedanken ein wahres Kunstwerk werden zu lassen. Bis es soweit ist, sind aber einige Schritte notwendig.
Zuerst steht die Auswahl eines geeigneten Motives. Dieses wird zuvor mit Pfarrer Klaus Kimmig abgesprochen und lehnt sich meist an aktuellen Ereignissen an. 2024 war es der Frieden, aktuell ist es das Heilige Jahr. Ähnlichkeiten mit anderen Orten gibt es trotz überregionaler Themen kaum: „Jeder hat eigene Gedanken, was er legen möchte“, weiß Mechthilde Mischke. Pilger der Hoffnung lautet dieses Jahr der Titel, aus dem eine Künstlerin der Frauengemeinschaft mit ein paar weiteren Eckpunkten ein Bild entworfen hat. Dieses wurde rund eine Woche zuvor im Josefshaus auf ein dreieinhalb mal fünf Meter großes Papier projiziert.
Sind die Konturen darauf nachgemalt, ist ein Teil schon mal geschafft. Weiter geht es am Abend vor Fronleichnam in der Garage des Vincentiushauses, auf dessen Parkplatz der Blumenteppich seit 2018, zuvor war er in der Bahnhofsstraße, gelegt wird. Dafür braucht es jede Menge Blüten, die nicht immer in gleicher Fülle zur Verfügung stehen. Liegt Fronleichnam früh im Jahr, gibt es üppig Pfingstrosen oder Schneeballen. Nun, im Juni, hat sich die natürliche Pracht deutlich reduziert. „Es wird eng mit den Blüten. Der Regen hat vieles zusammengeklatscht“, fürchtet Diana Birk „und die Margeriten sind weggemäht“, ergänzt Anni Kimmig. „Wir bibbern in manchem Jahr“, berichtet Mechthilde Mischke. Abhilfe schaffen Aufrufe an Gartenbesitzer im Pfarrblatt „und wenn man etwas Schönes sieht, spricht man die Leute an“, beschreibt Maria Hoferer den Weg, der am meisten Erfolg verspricht.
Hilfreich können auch die umliegenden Höhenlagen von Oppenau sein, wo die Pflanzen später blühen und Lupinen schon manches Motiv gerettet haben. „Aber wenn man kein Gelb hat, gibt es halt mal keinen gelben Mantel. Nur ein Herz sollte aber immer rot sein“, erzählt Maria Hoferer aus der manchmal pragmatischen Praxis.
Am Mittwoch vor Fronleichnam steht gegen 18 Uhr das Sortieren der gesammelten und gespendeten Blüten und das Legen der Schrift auf eigenen Holzplatten an. Mit Graberde gemischter Kaffeesatz macht die Buchstaben zwischen den Sägemehlflächen gut leserlich. Das Material wird durchnässt und ist damit handlich und robust. Nicht lange dauert die Pause, bevor es an Fronleichnam für die rund zehn Frauen um 4 Uhr losgeht mit dem eigentlichen Legen des Blumenteppichs auf der Papiervorlage. Gearbeitet wird immer von innen nach außen. Eine Helferin reicht den Frauen zum Legen die gerade benötigten Blumen. Mehrere Stunden kann es dauern, bis der Teppich fertig ist und nicht nur einmal war erst kurz vor der Kirche Schluss, in deren Anschluss der Blütenteppich meist erste Station der Prozession ist.
Trotz Kaffeesatz und Blütenblättern zeigen sich die religiösen Kunstwerke den Tag über äußert robust. „Es bleibt erstaunlich gut liegen“, beobachtet Anni Kimmig Jahr für Jahr. Selbst der leichte Dauerregen 2024 richtete keinen Schaden an, im Gegenteil. „Der Blumenteppich lag abends da, wie frisch gelegt. Er hält mehr aus, als man denkt“, weiß Mechthilde Mischke. Und selbst wenn es manchmal am Vortag in Strömen regnete, „irgendwie haben wir immer Glück an diesem Tag.“
Da tut es den Beteiligten natürlich manchmal im Herzen weh, wenn sie am Abend einen nahezu intakten Blumenteppich zusammenfegen müssen. Zurück bleibt aber ein einmaliges Gemeinschaftserlebnis und das Bewusstsein, vielen Menschen eine Freude gemacht zu haben: „Da steht man gerne früh auf.“
Selbst freut die Beteiligten auch Anerkennung, wie etwa durch die Stadt Oppenau, die den Blumenteppich der Frauengemeinschaft schon mehrfach auf ihren Social-Media- Kanälen würdigte. Seit vielen Jahrzehnten wird dieser in der Stadt gelegt und das Wissen darum über Generationen weitergegeben. Neueinsteiger sind immer willkommen und können sich an alle Mitglieder der Frauengemeinschaft wenden.