Die Glocken in Bad Peterstal klingen nun noch schöner

28.07.2025 |

Über 70 Jahre gab es an der Technik weit oben im Kirchturm nichts zu beanstanden. Doch jetzt war es an der Zeit für einige Neuerungen mit positiven Nebeneffekten. Zehn Tage lang kümmerte sich Peter Westermann um die Modernisierung der Technik im Glockenturm.

(Nicole Rendler Acher-Rench-Zeitung). Das Glockengeläut der Kirche gehört für viele Menschen von Kindesbeinen an zum Leben dazu. Das regelmäßige Schlagen der Uhrzeit oder das Verkünden wichtiger kirchlicher Begebenheiten ist schon so selbstverständlich, dass sich kaum jemand darüber Gedanken macht. Hinter dem regelmäßigen Läuten steckt jedoch eine ausgefeilte Technik. Über 70 Jahre versah diese im Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bad Peterstal zuverlässig ihren Dienst. "Diese Glocken hängen hier seit 1952. Seither wurde nichts mehr gemacht, außer der jährlichen Inspektion", sagt Peter Westermann. Bei Bedarf wird aber ein Statiker hinzugezogen und dieser sah nun bei Peter und Paul die Zeit für manchen Austausch gekommen. Beauftragt wurde die Firma Schneider aus Schonach, für die Peter Westermann zehn Tage vor Ort war, um in luftiger Höhe den Glocken den optimalen Klang wieder zurückzubringen. Erneuert werden mussten zuerst die Jochen zwischen den Stützen über den Glocken. Seit 1952 bestanden diese aus Stahl. "Durch die Korrosion dehnt sich der Stahl aber und die Nieten platzen heraus. Nach 60 bis 70 Jahren sind diese teils nicht mehr nachweisbar", weiß der Zimmermannsmeister. So wurden die Jochen aus Stahl entfernt und durch Holz ersetzt, was gleich zwei positive Effekte hat: "Die Holzjochen halten länger und verbessern den Klang der Glocken." Ebenfalls ausgetauscht wurden Kettenzüge, die vier Leuteräder, für jede Glocke eines, und die Klöppel. Diese verhärten im Laufe der Jahrzehnte und das schadet der Glocke. Rund 100 Kilogramm wiegt der größte der Klöppel. Bei einem Arbeitsunfall bekam der Kollegen von Peter Westermann diesen auf die Hand, so dass er zumindest ein paar Tage ohne ihn auskommen muss. "Aber nach 35 Jahren weiß man, wo man hinlangen muss", ging er weiter an die Arbeit. Über 500 Glockentürme hat der Fachmann bereits von innen gesehen und das nicht nur in Deutschland. Je nach Region gibt es bei der Glockentechnik ganz eigene Ausführungen. So schwingen etwa in Georgien nicht die Glocken, sondern allein die Klöppel. Längst nicht so harmonisch klingt es über die Grenze hinweg. "In der Schweiz hören sich viele Geläute gruselig an", schmunzelt der Fachmann. Das liegt aber nicht am fehlenden fachlichen Können der Eidgenossen, sondern eher an einem glücklichen Umstand. Denn dort gab es keinen Zweiten Weltkrieg, so dass die Glocken nicht für Waffen eingeschmolzen wurden.
Anders war dies in Bad Peterstal-Griesbach, wo die heute nicht mehr existierende Firma Schilling aus Heidelberg 1952 neue Glocken lieferte. "Das war die Glockengießerei schlechthin", schwärmt Peter Westermann von der Qualität: "Die Töne müssen miteinander harmonieren. Das ist die Kunst." In der sogenannten Innenharmonie der Glocke sind über 30 Töne versteckt, die beim Läuten nach und nach abklingen. Mit 68 Jahren läuft Peter Westermann, "unsere Firma findet keine Leute mehr", bei seiner Arbeit mehrmals täglich einen Kirchturm hoch und runter, im oberen Renchtal immerhin rund 130 Stufen. Er hat schon viel erlebt und gesehen und doch versetzt ihn das Geläut in Peter und Paul noch in Erstaunen. "Diese Glocke ist sehr groß für so eine Kirche. Normal wäre rund eine Tonnen." Das schwerste der vier Exemplare wiegt aber 2700 Kilogramm, die nächsten 1600, 1200 und 800 Kilogramm. Wie weit diese zu hören sind, hängt von Wind und Wetter ab.
 
Einfluss hat die Witterung auch auf die Kirchturmuhr. Gesteuert wird diese durch eine mechanische Turmuhr von 1936. Noch voll in Betrieb, "das ist ein mechanisches Wunderwerk", steuert sie außerdem die Hammerwerke, die je nach Uhrzeit von außen auf die Glocken schlagen und so die Uhrzeit hörbar machen. Je nach Witterung schlägt der Pendel aber mal langsamer oder schneller. Da dies in einer Woche eine gute Minute ausmachen kann, wird der Pendel bis heute durch den 85-jährigen Messner eingestellt. Jede Woche hält Gebhard Bitsch den Pendel für eine Minute an. Um den rüstigen Rentner zu entlasten, wird nun eine elektronische Steuerung dazugeschaltet, welche auch Winter- und Sommerzeit einstellt.
Rund 35.000 Euro kostet die Instandsetzung der Glocken, welche die Kirche übernimmt, informiert Martin Huber von der Katholischen Verrechnungsstelle. Weitere 9000 Euro kommen für die Pendel-Synchronisation hinzu, die teilen sich kirchliche und politische Gemeinde, so dass auf Uhrzeit und Glockengeläut noch weitere Jahrzehnte Verlass ist.