Ehrenamt trägt Kirchengemeinde
20.02.2026 |
Trotz Schicksalsschlägen hat sich Martin Huber eine positive Sicht erhalten: „selbst wenn der Lebensweg eine Bucht nach außen macht, es geht wieder zurück“. Aus der Verantwortung, die er bisher im Gemeindeteam übernommen hat, möchte er sich jetzt zurückziehen, „einen Schritt zurück machen, damit andere nach vorne können“. Für Rat und Hilfe wird er aber auch weiterhin zur Verfügung stehen, ist sein Versprechen.
Bleibt die Kirche im Dorf? Der zehnte Teil der ARZ-Serie widmet sich der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Oppenau. Das kirchliche Leben in der Renchtalstadt strotzt vor Vielfalt.
(Jutta Schmiederer in ARZ). Groß, offen, geräumig, mit freier Sicht nach vorne, man könnte aber auch sagen nüchtern und hallenartig erscheint die Kirche St. Johannes der Täufer in Oppenau auf den ersten Blick beim Betreten des Kirchenschiffes. 1826/27 wurde das Gotteshaus nach Plänen von Johann Ludwig Weinbrenner im klassizistischen Stil erbaut, wesentliche Änderungen des Innenraums erfolgten bei der großen Renovation 1965 bis 1971. Damals wurde auch die Holzkassettendecke eingefügt, ein vorher vorhandenes Deckengemälde, welches das Jüngste Gericht zeigte, ist nicht mehr vorhanden. Den Hochaltar ziert ein Bild mit der Kreuzabnahme.
Der Altarraum selbst ist auf zwei Ebenen errichtet, wobei dort Raum für Gottesdienste in kleiner Gemeinschaft vorhanden ist. Unter der Orgelempore wurde bei der jüngsten Innenrenovation durch Wegnehmen von Kirchenbänken ein Freiraum geschaffen. „Dort können beispielsweise Tauffamilien sich treffen oder auch Brautpaare vor der Hochzeit abgeholt werden“, erläutert Martin Huber. Buntglasfenster setzen mit dem Sonnenlicht farbige Akzente. Gottesdienste in der Kirche finden im Wechsel samstags um 18.30 oder sonntags um 10.30 Uhr statt, dazu montags und freitags um 18.30 Uhr. Jede zweite Woche gibt es auch einen speziellen Schülergottesdienst dienstags um 7.30 Uhr.
Doch es gibt auch mehrere Kapelle in Oppenau. In der Herz-Jesu-Kapelle im Vincentiushaus findet mittwochs um 10 Uhr abwechselnd eine Wortgottesfeier oder Eucharistiefeier statt. Ganz wichtig ist die Kapelle in Allerheiligen, die seit einigen Jahren zur Pfarrei Oppenau gehört. Außerdem gibt es eine Kapelle in Ibach und die Friedhofskapelle. Die Rinkenkapelle und die Kapelle St.Josef an der Kalikutt sind dagegen in Privatbesitz.
Auch die drei Kindertageseinrichtungen in Oppenau, Ibach und Ramsbach stehen zwar in kirchlicher Trägerschaft, gehören aber der Stadt Oppenau. Wichtigstes Gebäude ist neben der Kirche das Gemeindezentrum, das „Josefshaus“ mit zahlreichen Räumen und sogar einer Bühne. Hier befinden sich auch die katholische Bücherei und die Kleiderkammer, die von Ehrenamtlichen betrieben werden. Überhaupt wird ehrenamtliches Engagement von vielen Oppenauer ausgeübt, die in zahlreichen Gruppierungen das Leben aktiv mitgestalten. Da gibt es das „Forum Älterwerden“, die Frauengemeinschaft, Ministranten und die Landjugend für die unterschiedlichen Altersgruppen. Ein Liturgiekreis, Kirchenchor und Pfarrband, der charismatische Gebetskreis und natürlich das Gemeindeteam bereichern das kirchliche Leben. Aus dem gesamten Acher- und Renchtal kommen die Mitglieder des Freundeskreis Allerheiligen, der ökumenische Rat des oberen Renchtales hat seinen Ursprung schon vor bemerkenswerten über 50 Jahren in Oppenau genommen. Das Bildungswerk bietet interessante Veranstaltungen nicht nur zu kirchlichen Themen, der Ausschuss Ehe und Familie gestaltet jedes Jahr ein Treffen für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen.
„Miteinander unterwegs sein“, so charakterisiert Martin Huber die funktionierende Zusammenarbeit unter den Gruppierungen, die sich beispielsweise beim Pfarrfest zeigt, das am Patrozinium Johannes der Täufer stattfindet. Alle Gruppen sind daran beteiligt, jede übernimmt Aufgaben, damit das große Fest der Begegnung durchgeführt werden kann. Tradition hat die „Pfarrfasent“, bei der in jedem Jahr kirchliches und weltliches Geschehen humorvoll verarbeitet wird und auch das Pfarrhausteam einen mit Spannung erwarteten Auftritt hat.
Eine weitere Besonderheit in Oppenau findet am Ostersonntag statt. Nach dem Gottesdienst, der um 5.30 Uhr gefeiert wird, trifft sich die Gemeinde im Josefshaus, um dort gemeinsam das Osterfrühstück einzunehmen und ins Gespräch zu kommen. Als große Gemeinschaftsaktion endet das Kalenderjahr in Oppenau mit dem Binden des überdimensionalen Adventskranzes, der rund eineinhalb Meter Durchmesser hat und an Ketten in den Chorraum abgelassen werden kann.
„Glaube war mein Halteseil“
Viele Jahre stand Martin Huber ehrenamtlich in verantwortungsvollen Positionen in der Gemeinde St. Johannes der Täufer in Oppenau. Von 1995 bis 2016 war er Mitglied des Pfarrgemeinderates, von 1998 bis 2016 auch im Stiftungsrat. Den Endpunkt dieses Engagements setzte er nicht ganz freiwillig. Da er eine hauptamtliche Stelle als Gebäudebeauftragter im Bereich Acher-Renchtal aufnahm, durfte er in diesen beiden Gremien nicht mehr aktiv sein, übernahm aber beratende Funktion. Seit 2015 aber, also seit es diese Gruppierung gibt, ist er im Gemeindeteam aktiv und war auch eine Periode lang ihr Sprecher.
Ein ganz wichtiges Großprojekt, an dem er maßgeblich beteiligt war, war die Außenrenovierung der Kirche 2010 und 2011, sowie die Innenrenovierung 2017. Dabei konnte er seine berufliche Kompetenz einbringen und „im Ehrenamt umsetzen, was beruflich relevant ist“. Für Martin Huber ist dabei wichtig, „auch selber Arbeiten zu übernehmen, Eigenleistung zu bringen“. Doch auch bei Pfarrfasent und vor allem Pfarrfest war sein Organisationstalent jedes Jahr gefragt, bei ihm liefen alle Fäden zusammen.
„Ich bin ein Orga-Mensch“, sagt Martin Huber von sich selbst. Was ihn dabei antreibt, ist sein unerschütterlicher Glaube. „Das Fundament habe ich im Elternhaus mitbekommen“, sagt Huber, „der Glaube hat mich im Leben immer getragen, war der rote Faden“. Welche Bedeutung dies für ihn hat, macht er in einem sehr eindrucksvollen Bild klar: „Glaube war für mich immer ein Halteseil, so wie das Stahlseil für den Bergsteiger in der Felsenwand“. Dabei war ihm sein Umfeld sehr wichtig. „Ich habe mich getragen gefühlt, von Menschen, mit denen ich im Glauben unterwegs war, durfte erfahren, dass sie Schweres mittragen. Diese Menschen haben mir gutgetan, dadurch konnte ich tragen, was mir auferlegt wurde“.
Trotz Schicksalsschlägen hat sich Martin Huber eine positive Sicht erhalten: „selbst wenn der Lebensweg eine Bucht nach außen macht, es geht wieder zurück“. Aus der Verantwortung, die er bisher im Gemeindeteam übernommen hat, möchte er sich jetzt zurückziehen, „einen Schritt zurück machen, damit andere nach vorne können“. Für Rat und Hilfe wird er aber auch weiterhin zur Verfügung stehen, ist sein Versprechen.
Die neue Kirchengemeinde Acher-Renchtal sieht er „sehr positiv, mit allem was dazugehört“, Angst vor den neuen großen Strukturen habe er nie gehabt. Martin Huber ermutigt: „offen sein, dann kann es zusammenwachsen“. Durch Begegnungen seien „tolle Freundschaften entstanden“, ist seine Erfahrung. Außerdem biete sich so die Möglichkeit, Gottesdienste „im Größeren gemeinsam feiern, wenn es im Kleinen immer weniger werden“. Als wichtigste Feste mit großer Tradition in der Pfarrei St. Johannes Oppenau nennt er das Patrozinium mit dem „Begegnungsfest“ Pfarrfest, Fronleichnam mit der großen Prozession und Station mit Blumenteppich am Vincentiushaus, welche von der Frauengemeinschaft gestaltet wird und der von den Erstkommunikanten vorbereiteten Station an der Kirche. An Christi Himmelfahrt wird der Gottesdienst in Oppenau im Freien im Oberen Stadtpark gefeiert, sofern es das Wetter zulässt. Und das Johannisfeuer mit Gottesdienst bei der Kapelle Allerheiligen ist für ihn jedes Mal einer der Höhepunkte im Kirchenjahr.
Aus seiner Sicht positiv nennt Martin Huber, dass die Verabschiedung bei einer Beerdigung in Oppenau in der Einsegnunghalle gefeiert wird, nicht in der Kirche. Grund dafür ist der räumliche Abstand von Friedhof und Kirchengebäude. Eine Ausnahme gibt es aber, berichtet Huber: wenn ein Priester beerdigt wird, dann gibt es zunächst die Verabschiedung mit dem Sarg in der Kirche, bevor sich die Gemeinde in einer Prozession zum Friedhof und zum Grab durch den Ort aufmacht.


